Reisen und Mee(h)r...
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Eine Reise in den Süden … die Antarktis

Reisebericht von Jörg Enssle

Sonntag 18.01.15, 13 Uhr 36 - die Reise in die südlichsten Regionen der Welt beginnt mit dem Pfiff des Zugbegleiters am Bahnhof Sipplingen. Über Friedrichshafen und Ulm endet die erste Teilstrecke direkt auf dem Flughafen Terminal in Frankfurt. Ein Hoch auf die Deutsche Bahn.

22.30 Uhr beginnt der längste Lufthansa Nonstop Flug nach Buenos Aires. 13,5 Stunden später empfängt mich der argentinische Sommer mit morgendlichem Regen. Nach 2 Tagen mit Sightseeing, leckerem Essen - die Steaks sind so groß wie gut - und ausgiebigem Sonnenbrand geht es wieder auf den Flughafen.

 

Über Santiago und Porto Montt, bekannt durch Vulkanausbrüche kurz nach meiner Reise, wird das nächste Ziel meiner Reise angesteuert, Punta Arenas. Die Flüge bleiben unvergesslich. Die Anden und der Peine Nationalpark im Süden von Patagonien mit Cerro Torre und Fitzroy , Traumziele unter Bergsteigern, sind bei blauem Himmel  klar aus dem Flugzeug zu erkennen.

Punta Arenas, an der Magellan Straße gelegen, ist bei „Kreuzfahrern“ und Naturfans bekannt. Hier treffe ich drei deutsche Mitsegler. Und 2 Tage später starten wir in einer2 motorigen Piper zwischen Gepäck sitzend nach Süden, am Steuer ein alter Haudegen im Stil von Indiana Jones. Das Abenteuer beginnt bereits hier.

 

Nach gut einer Stunde bei immer schlechter werdender Sicht und abschließend spektakulärer Landung in Puerto Williams, werden wir von Skipper Wolff Kloss in Empfang genommen. Die Crew auf der „Santa Maria Australis“ ist nun vollständig. Wir sind zu zwölft, eine bunte Truppe aus Österreich, Australien, Argentinien und Deutschland - Bordsprache Englisch.

Begrüßungstrunk: es gibt „Pisco Sour“, das peruanisch  chilenische Nationalgetränk. Bestehend aus Traubenschnaps, Zitrone, Zucker und aufgeschäumtem Eiweiß schmeckt es lecker, hat aber eine heftige Wirkung. Anschließend folgt die obligatorische Sicherheitseinweisung sowie Schiffbesichtigung mit Kojeneinteilung. Martina, Werner und ich haben die Vorschiffskabine, Aufzugfahren inklusive.

Die Bordverpflegung wird von Ushuaja, der fast gegenüber am Beagle Kanal liegenden argentinischen Stadt, angeliefert. Der Rest wird in einem der zwei örtlichen Supermärkte eingekauft. Puerto Williams, kleiner Marinestützpunkt mit staubigen Schotterstraßen bietet noch zwei einfache Restaurants und die „Micalvi“: Der alte Rheindampfer, auf verschlungenen Wegen hierhergekommen, beherbergt den südlichsten Yachtclub der Welt und nach überstandener  Antarktisfahrt einen YCSi Wimpel.

 

Nach dem Crewessen mit Pisco Sour - er wird uns noch öfters finden - beenden wir den Abend in der Bar der Micalvi, dem Treffpunkt der Welt- und Antarktissegler. Am nächsten Morgen, nach der letzten Dusche für die nächsten fünf Tage, starten wir.

Der Beagle Kanal, benannt nach dem Schiff von Darwin, empfängt uns mit 0 Beaufort und Sonne - ja auch das gibt es hier, wenn auch selten. Magellanpinguine, Pelzrobben, Seeschwalben und Blauaugenkormorane vor einer vor einer schneebedeckten Bergen, den Darwinkordilleren. Eine unglaubliche Landschaft.

Nach einer Nacht vor Anker mit letztem Landgang auf der „IslaLennox“ starten wir in die Drake Straße. Bei moderaten Winden zwischen 4 und 5 Beaufort bleibt Kap Hoorn an Steuerbord und unsere 4 stündige Wache beginnt. Kurs 180 Grad liegt an, bald tauchen die ersten schwarzbraunen Albatrosse auf und Kapsturmvögel beäugen uns neugierig.

Bald stellt sich Bordroutine ein, gute Chemie an Bord, es gibt viele Gespräche und Sprachprobleme halten sich in Grenzen.  Nach 3 Tagen, am 60. Breitengrad, beginnt die Antarktische Konvergenz. Kaltes Wasser aus dem Süden mischt sich mit wärmeren. Nebelbildung, ab jetzt muss mit Eisbergen gerechnet werden! Das Radar wird eingeschaltet, Growler (die kleineren, weniger als fünf Meter aus dem Wasser heraus ragenden Eisberge), können jedoch nicht erkannt werden und so steigt die Spannung. Tatsächlich tauchen auf unserem Radarbild bald die ersten Flecken auf. Der erste  Eisberg, man kann die von ihm ausgehende Kälte spüren, wird mit großem Hurra begrüßt. Die Wassertemperatur ist von anfänglich 9 auf 2 ° C gefallen parallel zur Lufttemperatur.

 

Nach fast 5 Tagen und 450 Seemeilen tauchen die Umrisse von „Deception“ auf. Die der antarktischen Halbinsel vorgelagerte Vulkaninsel hat die Form eines Hufeisens  mit südlichem Eingang in die Caldera. Vor der spanischen Forschungsstation fällt der Anker und zur Feier des Tages gibt es? Klar: Pisco….

 

Nebel und tiefhängende Wolken lassen die Größe und Form der Insel nur erahnen, kurzer Funkkontakt mit sofortiger Einladung zur Besichtigung und ein leckeres Abendessen beenden den Tag. Am nächsten geht es mit dem „Zodiac“ an Land um eine Zügelpinguinkolonie auf der Außenseite der Insel zu besuchen. Pelzrobben beäugen uns, wir marschieren 2 Stunden auf dem mit Asche überzogenen Gletscher und mit abschießender Rutschpartie durch den Nebel in Richtung Meeresrauschen. Hier empfängt uns Lärm von tausenden brütenden Zügelpinguinen. Die Erde ist rot gefärbt vom Krill, der ihnen als Hauptfutter dient, Skuas, große Raubmöwen ziehen lauernd ihre Kreise - ein toller Anblick. Erstaunlich, welche Wege die 60 bis 80 cm gro0ßen Pinguine in Kauf nehmen um zu ihren teilweise weit oben liegenden Nestern zu kommen. Ohne Scheu watscheln sie an uns vorbei, wir werden nicht wahrgenommen.

 

Nach Besichtigung der Forschungsstation verlegen wir das Schiff auf die andere Seite der Bucht in die Nähe einer verlassenen Walfangstation. Hier wurden bis in die 1920er Jahre Wale angelandet und industriell verarbeitet. Die verfallenden Häuser sowie umherliegende Walknochen ergeben einen etwas bedrückenden Eindruck.

 

Am Abend gibt es die erste der 2 Duschmöglichkeiten während der Reise. Die 19m lange und 40 Tonnen schwere Aluketsch, eine Reinke Konstruktion, hat eine Wasseraufbereitungsanlage mit Boiler an Bord.

 

Am nächsten Morgen gehen wir um vier Uhr Anker auf, es geht durch die Bransfield Straße nach Enterprise Island. Einhundert Seemeilen später sind wir fest am Wrack der Gouvernoren in Enterprise Bay. Das Walfangschiff wurde hier wegen eines Brandes auf Grund gesetzt und ist einer der wenigen halbwegs sicheren Ankerplätze. Unterwegs begegnen uns Mink- und immer wieder Buckelwale, die Antarktis ist reich an Krill, ihrer Hauptnahrung.

Weiter geht es in die Gerlache Straße, benannt nach einem der vielen Entdecker des letzten und vorletzten Jahrhunderts. Martina hat heute Geburtstag, es gibt Malakov Torte und abends leckere Lasagne, wieder ein kulinarisches Highlight - erstaunlich was in der 3 Quadratmeter großen Kombüse möglich ist!

 

Auf 64° Süd liegt die chilenische Station „Almirante Brown“. Wir sind eine willkommene Abwechslung und werden nach der Besichtigung der Station zu Tee und Gebäck eingeladen. Der Kommandante informiert uns über das harte Auswahlverfahren, um hier Dienst tun zu dürfen. Er begleitet uns noch auf unser Schiff und verlässt die nette Runde erst als die Whiskyflasche leer ist….

Es gibt es noch eine argentinische Station, die wir im Anschluss besichtigen, um abends bei Hovgaard Island zu ankern. Die Fahrt durch den Lemaire Kanal bei blauem Himmel und Treibeis, sichten von Minkwalen und einem Seeleoparden bleibt unvergesslich. Die Kamera klickt ständig, Eisberge aus allen Perspektiven, glücklicherweise ist Speicherplatz kein Problem, wie wäre das wohl früher gewesen.

 

Sturm ist für den nächsten Tag angesagt. Anker plus eine Tonne Kette, drei Vorleinen und eine Achterleine wird mit Hilfe des Zodiaks ausgebracht und das Schiff wie eine Spinne vertäut. Am Abend klarer Himmel, Vollmond, um uns schneebedeckte Berge, das Thermometer fällt in kurzer Zeit auf weit unter null Grad, innerhalb kurzer Zeit bildet sich ein Eisfilm auf dem Wasser. Was für ein Schauspiel... dann wird es Zeit für den warmen Schlafsack.

 

Morgens, das Eis ist weg, nutzen wir die Zeit für einen Landgang zwischen Weddelrobben und Pinguinen, bevor der stärker werdende Wind das kommende Tief ankündigt. Im Lauf des Tages sind wir dann bei Böen um 60 Knoten, was Ankerwache bis zum nächsten Vormittag bedeutet.

 

Die ukrainische Station wird ohne Obst und Gemüse, welches wir für sie dabei hatten, auskommen müssen. Es geht wieder auf Nordkurs nach Port Lockroy. Die englische Station beherbergt ein Museum sowie Andenkenladen und eine Post. Spektakulär wird sie von Gletschern eingerahmt, die allerdings die Gefahr von Fallwinden mit sich bringt. Nachts werden mehrmals wir durch treibende Growler, die an der Bordwand entlangdriften, geweckt.

Am nächsten Morgen krönen Christian und Michael  ihren Antarktisaufenthalt mit einem Sprung vom Eisberg ins 1,5° kalte Wasser der Bucht.

 

Weiter geht es bei grauem Wetter nach Melchior Islands, unserem Absprungplatz. Zur Feier des Tages gibt es die zweite Duschmöglichkeit. Wolff hat nochmals Gribdaten eingeholt, alle zwei Tage zieht ein Tief durch.  Warten lohnt nicht, da wir ohnehin mindestens ein bis zwei Tage mehr brauchen, denn unser Ankerplatz liegt etwas südwestlicher als Deception, so starten wir am nächsten Morgen.

 

Zwei Reffs im Groß, Arbeitsfock. Sechs Tage bei Amwind-Kurs mit Schrick in den Schoten stehen uns bevor, es wird deutlich rauer, auch funktioniert unser Ofen auf diesem Kurs nicht. Regenfronten mit Böen, sogenannte Squals, wechseln sich mit tiefhängenden Wolken ab. Wind und Welle, man will ja was erleben… Neugierige Grindwale tauchen plötzlich hinter dem Schiff auf, genauso schnell sind sie wieder verschwunden, und immer wieder Albatrosse. Vor allem die eleganten Wanderalbatrosse mit Flügelspannweiten von bis zu dreieinhalb Metern sind beeindruckend. Mit welcher Eleganz sie dicht über den sich brechenden Wellenkämmen fliegen, ich kann mich nicht satt sehen.

 

Nach sechs Tagen, Glück gehabt, fällt der Anker in Lee der Isla Nueva. Feuerland hat uns wieder. Pisco Sour und ein leckeres Abendessen mit wieder funktionierendem Ofen sind ein Genuss.

 

Auch hier, im Lee der Insel, Fallböen mit über 40 Knoten, also bleiben wir noch einen Tag. Zum Abschluss ein schöner Segeltag bei aufklarendem Himmel im Beagle Kanal und wir liegen wieder an der „Micalvi“ in Puerto Williams.

 

Leckeres Abendessen in örtlichen Kneipe, es gibt Fisch oder Fleisch mit hausgemachten Pommes und der unvermeidbare Gang in die Bar der „Micalvi“.  Pisco Sour und etliche andere Getränke sorgen nach kurzer Nacht für Erinnerungslücken. Große Verabschiedung von Wolf und seiner gestern angereisten Frau und ein Teil der Crew fliegt wieder zurück nach Punta Arenas. Noch zwei Tage in Punta Arenas, alles wirkt fremd und hektisch, dann geht es über Buenos Aires zurück an den ebenfalls schönen Bodensee.

 

 

 

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