Reisen und Mee(h)r...
Reisen und Mee(h)r...

Auf den Spuren der Hurtigruten: Einhand unterwegs zu den Lofoten

Reisebericht von Jörg Enssle

Mittwochmorgen 09.00 Uhr. Es ist soweit, ich lege ab zu einem ersten kleinen Schlag von Großenbrode nach Burgstaaken auf Fehmern. Die Bedingungen sind ideal für einen ersten kleinen Test, Sonnenschein und ein leichter Wind aus Nordost. Die Autohelm Selbststeueranlage funktioniert wie so oft auf dem Bodensee und auch die beiden Solarzellen arbeiten, die mir während der Reise eine möglichst volle Batterie bescheren sollen.

Meine anfängliche Nervosität legt sich langsam und die Freude über den beginnenden 4-monatigen Törn macht sich langsam breit. Nach eineinhalb-jähriger Planung mit Urlaubsabsprache in der Firma, Zusprache von meinem Sprintavorgänger Joachim und Gundi vom StSC, die meinem Schiff und mir die schon selbst erlebte Strecke zutrauen, sowie Einkauf von Zubehör und Verpflegung, habe ich nun endlich Wasser unter dem Kiel.

 

Die letzten Monate vergingen wie im Flug. Navigationsmaterial besorgen, Rettungsmittel einkaufen, Funkgerät installieren, VC Offshore streichen, kardanische Aufhängung für den Kocher bauen etc. etc.. All das wäre ohne meine Freunde sehr schwierig und zeitraubend geworden. All diese Dinge fallen mir ein, während ich zum ersten Mal die Segel setze. Das Ausklarieren in Burgstaaken verläuft unproblematisch, der Zöllner weist mich noch auf die spezielle Maul- und Klauenseuche in Dänemark hin: keine Fleisch- und Milchprodukte! Dies hatte schon Wochen vorher erhebliche Auswirkungen auf meinen Einkauf in Deutschland und verteuert die Reise nach Skandinavien erheblich.

 

Weiter geht es nach Spotsbjerg auf Langeland am großen Belt. Um Mittag kommt LF Keldsnor in Sicht und bei östlichen Winden mit wenig Welle sowie anhaltendem Sonnenschein ist der Rest der Strecke bis zum Einlaufen unter Genua reines Genußsegeln. Es herrscht noch Winterruhe im Hafen und die Suche nach dem Hafenmeister gestaltet sich etwas schwierig. Nach einer halben Stunde sind die ersten dänischen Kronen an den Mann gebracht und ich begebe mich auf die Suche nach einer Tankstelle, um meinen Benzinvorrat auf den maximalen Stand zu halten.

 

Den ersten Morgen beginne ich mit Müsli und Kaffee aus meiner Expressomaschine, während die Wettervorhersage des letzten Abends zur Gewissheit wird: keine Wind. Mit 4kn Fahrt geht es unter der Großen Belt Brücke hindurch. Hier gibt es eine seitliche Durchfahrt für Sportschiffe, das Hauptfahrwasser ist in diesem Bereich für uns Kleine tabu. Kurz vor der Hafeneinfahrt  von Kerteminde, dem dänischen Regattazentrum, sichte ich ein paar Schweinswale. Sie sind etwa 1,5 bis 2m lang und hier häufiger anzutreffen. Der Abend wird wieder mit Benzinsuche, Logbuch schreiben, Abendessen und Kartenstudium ausgefüllt und müde sinke ich in meine Koje.

 

Der nächste Tag bringt nördliche Winde und ich bin mit Segelwechsel auf die Fock 3 und Ein- und Ausreffen des Großsegels beschäftigt. Glücklicherweise steuert meine Autohelm auf Amwindkursen sehr gut, was die Vorschiffsarbeit auf dem kleinen, unruhigen Schiff sehr erleichtert.  Ich habe mir eine umlaufende Lifeline gespannt und bin zusätzlich zur immer getragenen Automatikweste beim Arbeiten auf dem Vorschiff eingepickt. Nach 13.00 Uhr habe ich die Nordspitze von Fünen erreicht und Ballen auf Samsö liegt vor an. Das Einlaufen in den Hafen wird dort zur ersten kleinen Bewährungsprobe. Unter Großsegel und mitlaufendem Motor surfe ich bei Starkwind in die Hafeneinfahrt und nach einem klassischen Aufschießer mit Segelbergen sind ein paar hilfreiche Hände zur Stelle, um meine vorbereiteten Leinen in Empfang zu nehmen. Der Starkwind hält an, so nutze ich die Ruhepause für eine kleine Wanderung auf der Insel und um auf meinem 7m Schiffchen Verpflegung und Kleidung umzustapeln. Dies war nicht das letzte Mal auf dieser Reise, wie sich später herausstellen sollte. Weiter geht es nach Oer und Anholt, dessen im Mai noch vollkommen leeren Hafen ich kurz vor Sonnenuntergang erreiche. Herrlicher Sandstrand und die ideale Lage im Kattegat lassen den Hafen im Sommer aus allen Nähten platzen.

 

Am nächsten Tag ist Saeby das Ziel, eine dänische Hafenstadt mit viel Segeltradition und Flair, die einen Besuch wert ist. Nach 9 Tagen erreiche ich Skagen an der Nordspitze Dänemarks. Außer ein paar Schweden und Norwegern, die gerne hierher kommen, um Alkohol zu bunkern, ist der Hafen Mitte Mai fast leer. Einhandroutine hat sich mittlerweile eingestellt, das Wetter ist allerdings sehr wechselhaft, so dass die Persenning jeden Abend zum Einsatz kommt. Die Stegelektrik in den Häfen erweist sich immer wieder als Problem, weshalb mein 1000 Watt Heizlüfter leider nicht so oft zum Einsatz kommt und der Schlafsack als einzige Wärmequelle dienen muss. Erfreut bin ich über die Hilfsbereitschaft, die mir als Einhandsegler während der ganzen Reise zuteil wird. Das Abnehmen einer Leine ist immer ein willkommener Grund für ein Gespräch und Fragen nach dem Woher und Wohin werden gerne beantwortet. Segler sind eben gesprächige Menschen. In Skagen wird nochmals gebunkert. Wurst, Käse etc. sind zwar auch hier nicht billig, aber dennoch preiswerter als in Norwegen. Ein dritter Reservekanister wird ebenfalls verstaut, so dass ich über 25 L Gemisch für meinen Zweitakter verfüge, das muss reichen. NochSpaziergang ans Nordende am hafenamt vorbei. Hier gibt es die Wetterinfos für den nächsten Tag, WSW 1 zunehmend 5, ideal zur Überquerung des Skagerraks. Noch ein kurzes Gespräch mit meinen deutschen Stegnachbarn, die mit einer großen Najad ebenfalls nach Norwegen wollen, dann gehe ich für eine kurze Nacht in die Koje.

 

Bei Sonnenaufgang laufe ich mit Kurs Skagen Rav Ost aus. Die Untiefe an der Nordspitze Skagens muss weiträumig umfahren werden und ist an der eigenartigen Dünung gut zu erkennen. Wie erwartet nimmt der Wind im Laufe des Tages stetig zu und als die norwegische Küste am Abend in Sicht kommt, ist die Libertè bereits mit Fock und gerefftem Groß unterwegs. Das Feuer in Linie der Hafeneinfahrt von Lillesand ist nicht auszumachen, ein immer wiederkehrendes Problem. Viele Lichter aber nichts eindeutiges, es wird mal wieder spannend. Kurz vor Mitternacht bin ich am Schwimmsteg fest, die Persenning wird schnell montiert und es gibt noch einen warmen Tee, bevor ich in die Koje gehe.

 

Der nächste Tag beginnt mit der ergebnislosen Suche nach dem Zoll. Während der ganzen Reise sollte ich nicht einem norwegischen Zöllner zu Gesicht bekommen. Weiter geht es an der Südküste entlang nach Kristiansand, einer norwegischen Großstadt die außer guten  Einkaufsmöglichkeiten nicht viel Interessantes zu bieten hat. 100 Kronen (13€) für die Nacht plus 25 Kronen für die Dusche machen sie nicht gerade attraktiv. Berechnet wird die Gebühr nicht nach Schiffsgröße sondern als Fixum. Den Leuchtturm von Kap Lindesnes, Norwegens südlichsten Punkt passiere ich bei Sonnenschein und kühlen Temperaturen. Reffen und Segelwechsel, Kartenstudium und Genießen dieser tollen Landschaft lassen keine Langeweile aufkommen. Das Wetter verschlechtert sich und in Egersund wird eine Zwangspause von 2 Tagen benötigt. Ich liege an der Außenmole einer Werft und verbringe die Regentage mit Lesen und Kartenstudium. Donnerstag, der 16.5., heute ist norwegischer Nationalfeiertag, weshalb sich wohl auch das Wetter verbessert. Ich bin wieder unterwegs in Richtung Nord. Der Regen hat aufgehört, dafür bin ich unter Motor mit Ziel Skudeneshafen unterwegs. Kurz vor der Hafeneinfahrt habe ich ein beeindruckendes Erlebnis. Zwischen den Anglern, die dort nach Dorsch bilgern, tauchen plötzlich die bis eineinhalb Meter große Schwerter von Orcas auf. Eine Schule von 10 bis 12 Schwertwalen zieht ganz ruhig zwischen den Schiffen hindurch. Die Entfernung von teilweise unter 10 Metern lässt ihre Größe noch beeindruckender wirken.

 

Über Haugesund und Leirvick erreiche ich nach zweieinhalb Wochen und 670 sm die alte Hansestadt Bergen. Sie ist auf jeden Fall einen mehrtägigen Stopp wert. Ich gehe an einer Maxi 999 längsseits, Päckchenliegen ist im Stadthafen Vagan obligatorisch. Das Ausbringen langer Leinen wegen des Tidenhubes entfällt daher und ich liege angenehm ruhig, sofern nicht ein vorbeirauschendes Motorboot Wellenschlag produziert. Es regnet; Bergen ist mit Abstand die regenreichste Stadt Norwegens, aber die vielen schönen Kirchen und Museen machen sie trotzdem zu einem Touristenmagneten.

 

Hier beginnt die Hurtigrute, eine Schiffsverbindung in Norwegen. Sie ist die erste ganzjährige regelmäßige Verbindung und existiert bereits seit 1893. Man fährt meist geschützt durch ein Insellabyrinth, vergleichbar mit einem Schärengarten.

Die Betonnung ist gut und leicht auszumachen. Es geht an Häfen vorbei, in denen Supertanker das über Pipelines an Land gepumpte Öl von den in der Nordsee verankerten Plattformen, aufnehmen. Immer wieder sichte ich große Schlepper, Supplier genannt, die pendeln zwischen Bohrinsel und Festland hin und her. Schneefelder ab 200m aufwärts an den teilweise steil aufragenden Berghängen machen die doch etwas tiefen Temperaturen auch optisch deutlich. Die Kälte zieht sich langsam nach Norden zurück, LIBERTE` und ich fahren  mit…

 

Auf der Insel Silde mit Blick auf Stadtlandet, einer berüchtigten Ecke Norwegens genieße ich einen wunderschönen Sonnenuntergang, bevor die nächtlichen Temperaturen von 6-7° Celsius mich wieder treiben. Morgen wird es wieder spannend. Nach ausgiebigem Frühstück lege ich unter Fock und Groß ab. Bald folgt das erste Reff und die See nimmt deutlich zu. Eine steile Welle, durch den stark ansteigenden Meeresboden begünstigt, wirft mich ordentlich hin und her. In den Wellentälern fehlt mir auf Grund des kurzen Mastes der Wind, so läuft der Außenborder mit und wieder taucht das Vorschiff stark ein. Ich steuere selbst und bin sicherheitshalber mit meiner Lifeline eingepikt. Immer wieder schießen Fontänen durch knapp unter der Oberfläche liegende Untiefen empor. Beeindruckend. Froh, nach 6 Stunden wieder in ruhigeren Gewässern zu sein, gibt es eine wärmende Suppe und einen Kaffee.

 

Alesund mit seinem sicheren Stadthafen ist mein nächster Halt. Wieder nette Gespräche während ich an einem Päckchen längsseits gehe. Die kleinen Schiffchen mit deutscher Flagge machen neugierig. Spaziergänge, damit die Knochen nicht einrosten und Lebensmittel bunkern machen bei Sonnenschein doppelt so viel Spaß. Dennoch regnet es fast jeden Tag für kurze Zeit.

 

Über die Hustadvika, eine mit Untiefen gespickte Strecke geht in Gleitfahrt mit Spitzen über 11 kn nach Kristiansund. Das GPS zeigt die ersten 1000 Meilen meiner Reise an und ich bin überglücklich. Tägliche SMS Mitteilungen halten mich die Geschehnisse in der Heimat auf dem Laufenden. Immer wieder klingelt das Telefon und bekannte Stimmen melden sich, die Familien und der Freundeskreis lebt mit mir mit. Es hat sich eingeregnet uns so nutze ich die Gelegenheit für einen ausgiebigen Waschtag. Waschmaschine, Trockner und eine Dusche, übrigens eine tolle Einrichtung wie mir wieder bewusst wird, sind vorhanden. Nicht mehr gebrauchte Karten werden gegen neue ausgetauscht und die Route abgesteckt. Natürlich ein Einkauf im örtlichen RIMI. In diesen Supermärkten ist alles inklusive Bier für umgerechnet 3-4€ die Dose zu bekommen. Ich werde zum Antialkoholiker bei diesen Preisen.

 

Das Wetter bessert sich und unter Groß und Fock geht es die Trondheimsleia, ein Innenfahrwasse,r von dem aus der Trondheimsfjord abzweigt, entlang. Ein Seeadler beäugt mich und wirkt, da er knapp übers Masttop fliegt, noch beeindruckender als er ohnehin schon ist dank seiner fast 3 Meter Spannweite. Ich segle die Nacht, die eher einer Dämmerung gleicht, durch und lege zu einem einstündigen Tankstellenstop in Bessaker Sundet an.

 

Zuvor geht es unter Motorunterstützung und UKW Funkbereitschaft durch den beeindruckend engen Stocksund. Hier biegen die Hurtigrutenschiffe im 90° Winkel um die nicht einsehbare Ecke und es bleibt kein Platz für Ausweichmanöver. Am Nordausgang des Sundes taucht vor mir ein eigenartiges Gebilde auf, beim näherkommen stellt es sich als U-Boot in Überwasserfahrt heraus. Die Besatzung winkt und so winke ich zurück trotz beklemmenden Gefühls. Wenn es unter mir durch getaucht wäre….. Nach ein paar Tassen starken Kaffees zu frischen Brötchen, mit Benzin an der Tankstelle gekauft und einer kurzen Pause mit Kartenstudium bin ich wieder unterwegs.

 

Nach 130 sm komme ich müde am Abend in Lisöysundet an und freue mich auf die Koje. Trondheim werde ich erst auf dem Rückweg besuchen, da es eine Tagesreise landeinwärts liegt. Während des Kochens dringt Allgäuer Mundart durch die Persenning an mein Ohr. Die kleine Gruppe ist zum Angeln hier und etwas entnervt, ein schlechtes Jahr für Lachse, dennoch gibt es ein paar nützliche Tipps für meine späteren Angelversuche, außerdem eine Empfehlung für eine Leine mit 7 Haken, Gummiködern und Gewichte. Ich kaufe und hoffe….

 

Heute scheint die Sonne und es ist tatsächlich etwas warm. Zum ersten Mal nach 29 Tagen trage ich keine Jacke. Habe wieder mehrere Robben gesichtet und kann mich zum krönenden Abschluss des Tages mal wieder warm waschen. Die Dusche war nötig und ein guter Kontrast zum kalten Wasser des Waschlappens. Auf dem Weg nach Bronnoysund ereilt mich ein Tiefschlag. Kein Wind und der Außenborder gibt seinen Geist auf. Die Antriebswelle. Wie gut, dass Klaus den Reservejohnson gerade rechtzeitig zur Abreise reparieren konnte. Schneller Wechsel bei ruhigem Seegang. Große Spannung. Er springt sofort an, ich bin begeistert und schicke ihm eine Dankes-SMS. Für diese Teilabschnitte habe ich nur spärliches Kartenmaterial und navigiere zusätzlich mit Autokarten um die Topographie besser erkennen zu können. Nicht unbedingt seemännisch aber sehr funktionell und, da ich mich auf einer gutbetonnten Strecke befinde, machbar. Wiedermal piepst das Handy und über SMS informiert man mich über die neusten Regattaergebnisse aus der Heimat. Weit weg, und doch immer informiert. Man denkt an mich.

 

Am Abend kommt der Torghatten in Sicht. Ein Berg, durch den an seiner 260 m hohen Felsflanke ein riesiges Loch geht. Um ihn rankt sich die Trollsaga von einem Wikinger, der auf 7 fliehende Jungfrauen schoss. Er traf aber nur einen dazwischen geworfenen Hut. Der Hut verwandelte sich in den Hutberg - den Torghatten. Der Mond taucht alles in eine Stimmung, die wohl nur im Norden möglich ist. Als ich Bronnoysund in der Ferne erkenne, geht es auf Mitternacht.  Bin wieder mal sehr ausgekühlt und es gibt noch kurz vor dem Anlegen heißen Tee um die steifen Finger für die Knoten warm zu bekommen. Eine hilfreiche Hand steht am Schwimmsteg und spricht mich mit stark holländischem Akzent an. Jan und seine Frau Hilly sind vom Ijselmeer und ebenfalls in Richtung Norden unterwegs. Ich werde auf ihr Schiff, eine 12 Meter lange Aluminiumslup eingeladen. Ein warmer Ofen bringt Gemütlichkeit und ein paar Gläschen Rotwein die nötige Bettschwere. Am nächsten Tage gibt es noch mehr Zeit für nette Gespräche übers Segeln und die beeindruckende Landschaft. Dauerregen hat sich eingestellt und so bleiben wir hier.

 

Es klart wieder auf und gemeinsam sind wir auf dem Weg nach Sandnesjoen. Wir segeln die Syv Soestre, die Sieben Schwestern, entlang. Eine Felsformation mit 7 Gipfeln, sie waren die Jungfrauenauf die der Nordmann schoss, alle über 1000 m hoch. Es scheint frischer Schnee auf ihnen zu liegen, immer wieder sind sie von tiefen Wolken verdeckt.

 

Am nächsten Tag erreichen wir Tonnes, ein kleiner Ort am Polarkreis auf 66°33´N. Eine als Weltkugel stilisierte Bake auf einem Fels zeigt es an, heute Abend ist ein Schluck aus der  Sherryflasche fällig. Unter Spinnaker geht es in den Hollandfjorden. An dessen Ende wartet das nächste Naturereignis. Der Svartissen. Der Name bedeutet schwarzes Eis und der Gletscher macht ihm alle Ehre. Er geht fast bis ans Wasser und nach einem Ankermanöver ist ein Spaziergang ans Eis ein unbedingtes Muss. Ein Nachtessen auf der Delestè mit einem Glas Genever als Abschluss beendet den heutigen Tag und mit aus dem Schlafsack heraus habe ich einen herrlichen Ausblick auf den Gletscher.

 

Um 06.00 geht der Anker auf. Nach kurzer Fahrt unter Motor erreiche ich Halsasundet, das mit einer sehr nahen Tankstelle und frischen Brötchen nach einer Stunde wieder hinter mir liegt. Der Kocher wird während der Fahrt, mittlerweile unter Groß, angeworfen und der Duft von frischem Kaffee steigt mir bald in die Nase. Es brist aus, so bin ich mit 8 kn Fahrt auf dem Weg nach Bodö. Die Fock nehme ich weg und segle nur mit Groß. Diese Art der Besegelung bei Starkwind hat sich als für mich als die einfachste zu kontrollierende herausgestellt. Da ich keine Rollfock habe und somit immer aufs Vorschiff muss, arbeite ich ab 4 Windstärken leichter mit dem Großsegel, da es von der Plicht aus leichter ein-und aus zu reffen ist. Der achterliche Wind schiebt mich und so sind die 52 sm in 10 Stunden hinter mich gebracht.

 

Bodö, das sich selbst als Hauptstadt der Seeadler bezeichnet, macht seinem Namen alle Ehre und so sitzt kurz vor der Hafeneinfahrt ein schönes Exemplar auf einem Fels um mich majestätisch zu beäugen.

Ein kurzes Anlegemanöver und ich bin fest am Schwimmsteg. Das Wetter verschlechtert sich wieder einmal, Schiffscheck und Einkauf sind am nächsten Tag auf der Liste. Die Stadt selbst ist bald besichtigt, hat die schon bekannten Shoppingmals und ansonsten nicht viel Sehenswertes zu bieten. Jan kommt mit einem Wetterfax mit Besserung ab der Mitte des nächsten Tages.

 

Das Wetteramt behält recht und gegen 14.00 Ihr lege ich ab um den 60 sm breiten Vestfjord mit Ziel Svolvaer, der Hauptstadt der Lofoten, zu überqueren. Leichter Südwestwind erwartet mich nach der Hafenausfahrt. Groß mit Genua ist gesetzt und der Regen hat aufgehört. Im Vestfjord hält sich noch die alte Dünung, sodass die Segel immer wieder einfallen. Im Laufe des Nachmittags verbessern sich die Bedingungen immer mehr, Die Wolkendecke hebt sich und 3-4 Beaufort aus Südwest stellen sich ein.

 

Mit ausgebaumter Genua geht es den Lofoten entgegen. Gegen Mitternacht entwickelt sich ein Naturschauspiel. Über mir blauer Himmel und vor mir eine Wolkenwand in der Schemenhaft die Umrisse von Bergen zu erkennen sind. Immer wieder durchbrechen Sonnenstrahlen dieses unwirkliche Bild aus einer fremden Welt. Ich bin fasziniert und fahre dem zu erwartenden Regen entgegen.

 

Kurz vor Svolvaer schläft der Wind ein und an der Statue der Klippfischfrau vorbei, geht es in den Naturhafen. Um 03.00 Uhr mache ich, überraschender Weise trocken geblieben, am Schwimmsteg fest. Von Svolvaer aus ist es ein Katzensprung mit dem gemieteten Fahrrad nach Kabelvag, dem Nachbarort auf der Hauptinsel Austvagoy. Das hier gelegene Lofotenmuseet sowie diverse Galerien lohnen einen Besuch. Die Landschaft mit ihren tief eingeschnittenen Fjorden und bis auf 1000m steil aufragenden Berge sind beeindruckend,

 

Auch eine Fahrt mit einem Ausflugsschiff durch die diversen Straumen, wie die gezeitenabhängigen Ströme hier genannt werden, in den Trollfjord ist ein Erlebnis. Nach einer 100m breiten Engstelle öffnet sich ein Trichter mit ringsum steil aufragenden teilweise Schnee- bedeckten Bergen. Beeindruckend. Nach drei Tagen bin ich wieder auf einem Kiel unterwegs.

 

Henningsvaer, vielleicht der ursprünglichste Fischerort der Lofoten, Stamsund auf Vestvagoy, der Nachbarinsel sowie Reine auf Moskenesoy, der südlichsten der drei großen Hauptinseln, wwerden angelaufen. Die Orte mit ihren Naturhäfen und den roten Fischerhäusern, Rorbuer genannt, haben ihren eigenen Charme. Dicht gedrängt sind um das Hafenbecken Händler, Fischaufkäufer, Schiffsausrüster, Hotels und Rorbuer zu finden Die Farbe Rot dominiert. Überall sind Stockfischgestelle zu sehen. Der in der Fangstation von Januar bis März gefangene Dorsch, wird aufgenommen, paarweise an Schwänzen zusammengebunden und zu tausenden auf hohen Holzgestellen gehängt, wo sie in Wind und Wetterknochenhart trocknen.

Der Name Stockfisch kommt allerdings nicht von seiner Konsistenz, sondern von den Stöcken, an denen er aufgehängt wird. Hauptexportländer sind Italien und Portugal, in denen er nach tagelangem Einweichen als Delikatesse auf den Tisch kommt.

 

Dies wird besonders gut im Stockfischmuseum in A, der Stadt mit dem bekannten kurzen Ortsnamen erklärt. Auch sie ist ein Stopp wert. Allerdings gibt es hier keinen Schwimmsteg und das Anlegen an der Palisadenwand mit 2 m Tidenhub hat so seine Tücken. Am Ende der Insel liegt der bekannte Malstrom, den schon Jules Verbe in seinen Romanen beschrieben hat. Er ist für Segler nicht zu empfehlen. Nach einer Woche bin ich unterwegs zu der nördlich gelegenen Inselkette der Vesteralen. Es geht durch mehrere Straumen, der Gezeitenatlas wird zum wichtigsten Arbeitsmittel um meinen 6 Ps Reserveaußenborder nicht über Gebühr zu belasten.

 

Lödingen und Harstad sind Stationen auf dem Weg nach Tromsö, der Stadt am Eismeer und gleichzeitig meinem nördlichsten Punkt. An den Gästebrücken unterwegs finde ich immer wieder Kuverts, in denen das Hafengeld deponiert ist. Hier oben ist vieles eben Vertrauenssache. Wasser gibt es fast immer, nur das besagte Benzin bedeutet oftmals längere Fußmärsche. Das auf den Lofoten begonnene Angeln stellt sich als einfache Sache heraus, die nach 10 Minuten für den Tag erledigt ist. Selbst als absoluter Laie fange ich Dorsche und Seelachse in allen Größen und werde über Wochen hinaus zum Fischkoch. Der Rystraumen ist das letzte Hindernis, das nach genauer Zeitplanung durchfahren werden muss, dann habe ich es geschafft. Tromsö ist nach 47 Reisetagen und über 1800 sm erreicht. In der Stadt der Eismeerkathedrahle gönne ich mir ein paar Tage Pause mit diversen Museumsbesuchen, Einkäufen und Sightseeing, bevor es wieder auf den Rückweg geht.

 

In umgekehrter Reihenfolge werden die nördlichen Häfen angefahren und nach einer Woche bin ich zurück in Bodö. Dort steigt meine Freundin Verena für einen 2-wöchigen Törn zu. Es geht bei weithin wechselhaftem Wetter die Küste entlang bis Trondheim. Es scheint von Tag zu Tag wärmer zu werden, eine angenehme Begleiterscheinung auf der Fahrt nach Süden.

 

In Trondheim angekommen, sind wir vom Stadtleben und den Sehenswürdigkeiten völlig überrascht. Nidarosdom, die alten Speicherhäuser am Nibelv und das Seefahrtsmuseum sind lohnenswerte Ziele. Verena fliegt wieder nach Hause und für mich geht die Reise einhand in Richtung Süden weiter. In Alesund wird ein kurzer Stop gemacht. Die Stadt platzt aus allen Nähten, das Cutty Sark Race macht hier Zwischenstation. Ein Volksfest das mich schnell flüchten lässt. Nach einer 4 tägigen Pause in Bergen bin ich auf dem Weg nach Stavanger von wo mich Klaus bin nach Frederikshavn begleitet. Auch er ist von der Seegängigkeit und Sicherheit des Schiffes begeistert und mit kräftigen, nordwestlichen Winden geht es die norwegische Küste entlang bis zu unserem Absprunghafen Kristiansand. Nach einem Zwischentief nutzen wir die momentane Wetterberuhigung zum Sprung über das Skagerrak. In 15 Stunden 95 sm gesegelt ist ein sehr guter Schnitt und wir gönnen uns das Abendessen in Skagen. Von Frederikshafen, einer 25 sm südlich gelegenen Stadt geht es wieder einhand weiter nach Greena im südlichen Kattegat. Hier kommen mir Stefan, Martin und Reinhard mit der Zweiten Sprinta aus Sipplingen entgegen. Die letzten 2 Wochen sind angebrochen und wir segeln gemeinsam durch den Kleinen Belt in die Flensburger Förde. Herrliches Wetter begleitet uns auf unserem Weg. Auch Kappeln an der Schlei und die Kieler Förde liegen noch auf unserem Weg, bis wir nach Fehmarn und zum Schluss in Großenbroden ankommen.

 

3800 sm und ein unvergesslicher Törn mit vielen Eindrücken liegen hinter mir.

 

 

 

 

 

 

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