Reisen und Mee(h)r...
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St. Petersburg - eine ungewöhnlich lange Städtereise

Reisebericht von Ulrike und Kimia Tafreshian

9.9.2011

Die Wolken über St.Petersburg sind anders. Dichter, undefiniert, irgendwie sehr plastisch. Das ist das erste, das auffällt in einem Flugzeug, in dem jede zweite Person ein „typisch russisches“ Gesicht zu haben scheint. Was genau sich dahinter verbirgt lässt sich hingegen nicht klar definieren.

Wir landen auf dem erstaunlich kleinen Flughafen von St.Petersburg und finden, trotz aller Befürchtungen auch unser gesamtes Gepäck. Auf der Fahrt zu unserer Ferienwohnung fallen zunächst die altbekannten Schilder von McDonalds, Obi und co auf, ist wohl doch nicht so anders als bei uns!

Doch die kyrillischen Buchstaben, die megabreiten Strassen, der „russische Fahrstil“ und die langen Strecken durch die mit Autos und bedeutenden Monumenten überfüllte Stadt lassen schnell einen gewissen Unterschied erkennen.

Unsere Ferienwohnung liegt auf der Wassiljewski-Insel in einem Neubau im 15. Stock mit Blick aufs Meer (zwischen Plattenbauten hindurch).

 

10.9.

Wir wachen bei schönstem Sonnenschein auf und erkunden die Umgebung. Schnell finden wir die nahe gelegen Metrostation und einen Supermarkt. Die Menschen hier sind schon morgens sehr schick gekleidet, doch wirken viele auf uns sehr unterkühlt, ja fast unfreundlich. Es wird nicht gelächelt oder gegrüßt. Später fahren wir über die Schlossbrücke an der Eremitage und dem Schlossplatz vorbei in den Newski prospekt, der großen Einkaufstrasse und dem Zentrum St. Petersburg. Doch kaum parken wir, beginnt es auch schon zu regnen, und so lernen wir sofort das unbeständige Wetter der Stadt kennen. Wir werden auch die nächsten Tage immer mit mehreren Kleiderschichten und Schirm unterwegs sein. Die 2. Ferienwohnung (wir sind insgesamt 12 Personen) liegt direkt im Zentrum in einem alten Hinterhofgebäude im 5. Stock.

An unserem 1. gemeinsamen Abend machen wir es uns mit Fertigpizza aus dem Supermarkt in der 2. Ferienwohnung gemütlich, allerdings zu gemütlich, denn als wir zurückfahren wollen, stehen wir vor der hochgezogenen Brücke und kommen nicht mehr über die Newa. Also vertreiben wir uns die Zeit mit einem nächtlichen Spaziergang um die Eremitage herum und über den Schlossplatz bis zu den imposanten Atlanten, deren großen Zeh man anfassen muss um sich etwas wünschen zu dürfen.

Gegen 3 Uhr morgens schließt sich die Brücke wieder und wir können endlich ins Bett.

 

11.9.

Heute ist sight-seeing angesagt. Wir fahren mit der beeindruckend steilen und langen Rolltreppe zur Metro hinunter und nach 2 Stationen sind wir am Gostiny dwor, dem großen West-Kaufhaus am Newsky prospekt. Von hier laufen wir zur Christi-Erlöser-Kirche „auf dem Blute“, gönnen uns danach einen leckeren Kaffee im Café Singer, einem riesigen Buchladen, und fahren dann wieder mit der Metro zum Dostojewski-Museum und gehen in der dortigen Markthalle einkaufen.

 

12.9.

Besuch der Peter-und-Paul-Kathedrale, dem Gründungsort der Stadt.

Hier fallen uns zum ersten Mal die vielen Brautpaare auf, die in den Parks der Stadt zum Foto-shooting unterwegs sind. Wir werden die nächsten Tage noch viele der durchweg jungen Brautpaare sehen. Die Braut immer in weiß mit kunstvoll gelegter Frisur und immer von ein paar Freunden begleitet, die die Sektkelche tragen und der frierenden Braut zwischendurch ein Jäckchen umlegen. In Russland soll jede 2. Ehe geschieden werden, da Russen die Ehe viel zu romantisch verklären und sehr jung heiraten, lese ich nach.

 

13.9.

Auf dem Weg zur Eremitage „verliert“ Kianush sein I-phone, das neu gekauft, aber leider nicht versichert war. Wir suchen noch lange danach, aber es bleibt verschwunden. Inzwischen beginnt es auch wieder zu regnen und wir begeben uns in getrübter Stimmung zur Eremitage, dieser beeindruckenden Sammlung von 2,7 Millionen Exponaten! Nach 3 Stunden sind wir völlig erschlagen von all der Pracht, aber heute ist ja unser Kulturtag und so stylen wir uns noch für den Besuch im Ballett, Schwanensee. Leider ist dies wohl eine Touristenveranstaltung und so wird etwas lustlos getanzt und musiziert, zum Schlussvorhang ist die Hälfte der Tänzer schon nach Hause gegangen. Tja, Sommerpause.

14.9.

Wir haben einen Termin in der sündhaft teuren Privat-Hautklinik auf dem Newski prospekt.

Davor zeigt uns Navid noch eine seiner unfertigen Wohnungen, um sich nach unserer Meinung zu erkunden und wir entdecken im Laufschritt etwas mehr von der Insel, auf der wir wohnen. Dann ist es Zeit die Betäubungscreme auf die Muttermale aufzutragen und wir betreten die sehr edle, sehr saubere Hautklinik. Etwas verbrannte Haut später und ein wenig schöner verlassen wir die Klinik, deren Gerätschaften und Standards den uns bekannten vollkommen entsprechen.

Den restlichen Tag verbringen wir lediglich mit Einkaufen im Einkaufszentrum außerhalb von

St. Petersburg, in dem alle erdenklichen Marken und Läden zu finden sind.

 

15.9.

Am Morgen versuche ich das Meer zu erreichen, aber das ist gar nicht so einfach wie gedacht, nach einiger Zeit komme ich zwar an den ganzen Hochhäusern vorbei bis zum Wasser, aber davor ist nochmal eine Sanddüne aufgeschichtet. Auf dem Rückweg kaufe ich zum Frühstück ein paar der süßen und auch salzigen (mit Reis) gefüllten Brötchen (Pirogen)

Später spaziere ich vom Gostiny Dvor durch die auffällig unauffällige Rossistraße zum Fontanka-Kanal. Dann, ein Stück am Bolschoi-Theater vorbei, komme ich zum Heumarkt, einem sehr belebten Platz mit einer großen Metrostation an der sich die Linien 2, 4 und 5 kreuzen. Ich gehe weiter zu Marinsky-Theater, das leider gerade renoviert wird und inzwischen hat es schon wieder angefangen stark zu regnen.

Abends wollen wir alle zusammen der Brücke beim Öffnen zuschauen, jedoch jeweils von der anderen Seite. Es ist kalt und wir und die vielen anderen Zuschauer, die sich heute dort versammelt haben müssen bis um 1 warten bis sie sich endlich öffnet. Nach Hause kommen wir mit dem Taxi, dessen Taxifahrer während dem Fahren noch vergnügt „dirty bird“ auf seinem Tablet spielt.

 

16.9.

Wir stehen eher früh auf, wir wollen zur Sommerresidenz des Zaren Peter, zum Peterhof, der außerhalb des Zentrums St. Petersburg liegt und nur mit Bus oder Boot zu erreichen ist. Von außen betrachtet ist es ein sehr imposantes Gebäude mit einer schönen großen Parkanlage mit unzähligen Fontänen, rein kommen wir leider erst einmal nicht, heute ist dort ein Fest mit Feuerwerk geplant und der innere Garten wird erst um 5 Uhr geöffnet. So viel zum extra frühen Aufstehen! Wir vertrödeln also unsere Zeit mit essen (in den Fast-Food Zelten die dort aufgestellt sind und in denen es natürlich auch den obligatorischen Hot-Dog den man anscheinend überall in St.P. kaufen kann und die nationaltypischen Blinis, eine Art mit allem gefüllter Crepes gibt) , spazieren und auf dem kleinen Touristenmarkt auf dem es aller Art Souvenirs zu finden gibt. Kurz vor fünf bilden sich lange Schlangen vor den Kassen, auch wir stellen uns an und kommen dann auch relativ schnell in den Park, der für das Fest vorbereitet wird. Langsam merkt man, dass es wirklich bald Herbst wird und wir fangen alle an zu frieren, trotz all der extra Kleidungstücke die uns Gloria in weiser Voraussicht mitgegeben hat. So beschließen wir, anstatt das Fest abzuwarten lieber gleich das Boot zurück ins Zentrum zu nehmen, eine schöne Fahrt bei der man sich fast alle Sehenswürdigkeiten von der Newa aus noch einmal anschauen kann.

 

17.9

Heute laufen wir über die Leutnant-Schmidt-Brücke, die mit Pferdeköpfen verziert ist, an Kreuzfahrschiffen vorbei über die Newa, dann zum ehernen Reiter und weiter zur Isaac-Kathedrale. Hier treffen wir die anderen und steigen zusammen die 260 Stufen zur Aussichtsplattform, von der aus wir einen wunderschönen Ausblick über das erstaunlich flache St. Petersburg bei strahlendem Sonnenschein genießen. Danach wollen wir uns das Wodka-Museum anschauen, beschließen dort aber, dass es sich nicht wirklich lohnt und laufen weiter Richtung Heumarkt. Unterwegs machen wir in einem richtig netten Cafe Halt, gehen dann am Kanal weiter, an den geflügelten Löwen vorbei durch die Lomonossowstrasse zur Rossistraße, der Straße mit den perfekten Maßen. Bis wir zu Hause ankommen hat Nelia Borretsch gekocht, die sie mit saurer Sahne, gehackten Kräutern, Brot und Meerrettich serviert. Sehr köstlich! Später probiere ich noch die Russische Hausmedizin gegen Erkältungen: Wodka mit Pfeffer.

 

18.9

Schon wieder regnet es und wir beschließen Glorias Tipp zu befolgen und in die Kunstkammer zu gehen, in der Peter der Große alles gesammelt hat, was Reisende mitbrachten bzw. was er selbst aus verschiedenen Ländern zusammentragen konnte.

Dazu gibt es noch eine „Kuriositätensammlung“ konservierter Föten, meist mit Missbildungen und die Instrumentensammlung verschiedenster Wissenschaftler. Dieser Teil ist nichts für leichte Gemüter und wir alle bringen es nicht über uns, die gesamte Sammlung anzuschauen.

Trotzdem lohnt sich die Kunstkamera allein für das wunderschöne Gebäude und die Möbel, die darin zu finden sind.

Nach einer Pause in einem netten Café schauen wir uns noch, da inzwischen die Sonne scheint, den Friedhof an, der direkt neben unserer Wohnung liegt. Die Gräber sind zum Teil völlig überwuchert und man bekommt den Eindruck eines verwunschenen Parks.

 

19.9

Wir sind jetzt schon eine Weile da und es stehen immer weniger Punkte auf unserem Plan. Für heute nur das blaue Smolny-Kloster. Dahin laufen wir also, mit einem kleinen Abstecher über diese typischen russischen Hinterhöfe, und treffen Aram und Marie in einem der Parks, in dem sich wieder einige Bräute zum Fotografieren bereitstellen. Das Kloster ist umgeben von weiteren wichtigen Gebäuden, dem Platz der Diktatur des Proletariats und einem von Wachleuten umstellten Regierungsgebäude in dessen Vorderhof man jeweils nur zu zweit darf. Wir schauen uns das relativ große Kloster von außen an, und da es gerade heute geschlossen ist bleibt es auch dabei mit unserer kulturellen Bildung des Tages. Schon suchen wir wieder eines der süßen Keller-Cafés und schlagen uns mit Frikadellen, Schnitzel und Kartoffelbrei die Bäuche voll.

Abends kochen wir schwäbisch für unsere Gastgeber, es wird ein Abend mit Wohnungssuche, Kindheitsgesprächen, natürlich Wodka und schon mal ein paar sorgfältig ausgesuchten Abschiedsgeschenken.

 

20.9

Heute ist der letzte ganze Tag in St. Petersburg und jeder geht seinen eigenen Plänen nach;

Dem Besuch im erstaunlich kleinen Dostojewski-Museum, dem Spaziergang durch die Innenstadt, dem Gewaltmarsch durch St. Petersburg, der verzweifelten Suche nach den so schön billigen Zigarettenstangen, dem Betrachten von den doch eher eintönigen „Palästen für das Volk“ entlang der Linie 1, einem letzten Cappuccino im Singer-Café oder einem ersten und letztem Cappuccino im süßen orangenen Keller-Café mitten auf dem Newsky-Prospekt, mit den vielen leckeren süßen Stückchen.

Abends treffen wir uns alle in einem usbekischen Restaurant, in dem es neben dem Salat mit warmem Brot, dem im allgemeinen sehr fleischigen Essen, den reichhaltigen Nachspeiseplatten, dem Tee, dem Ayran, dem Wein und Wasser auch alle paar Minuten Bauchtanzbegleitung zur Unterhaltung gibt.

Bald müssen wir uns auf den Abschied vorbereiten, die Russen sind wunderbare, aufopfernde Gastgeber und es folgen tränenreiche Umarmungen und gegenseitige Bekundungen, dass wir uns sicher bald in St. Petersburg oder Stuttgart wiedersehen.

Das war es dann wohl fürs erste mit dem russischen „Tor zum Westen“, mit Stöckelschuhen und Hot-Dog-Ständen an jeder Ecke, mit 200m tiefen Metrostationen, in denen man für Kinder immer Platz macht, mit bunten Villen aus vergangener Zeit und grauen Plattenbauten.

Dosvedanjia St. Petersburg!


21.9

Abflug

 

 

 

 

 

 

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